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prizeotel-Azubine Benet und ihr Urlaubstagebuch

Zurück in Bremen: Dienstagmorgen, es ist 05.05 Uhr Ortszeit. Ich befinde mich am Airport Hatay in der Türkei. Ich sitze im Flieger. In wenigen Minuten wird die Maschine abheben und mich nach Hause bringen. Ein Wechselbad der Gefühle überkommt mich plötzlich. Meine Hände schwitzen, obwohl sie ganz kalt sind. Meine Füße kribbeln. Mir ist bisschen schwindelig. Mein Rücken ist heiß und kalt zu gleich. Meine Finger zittern. Meine Kehle ist staubtrocken. Ich kann es nicht ganz einordnen, ob das die Nachwehen von meinem Sonnenstich sind, die Müdigkeit der vergangenen Tage oder vielleicht die Vorfreude auf Freunde und Bekannte in Bremen. Oder der Abschied von Verwandten und Familie, die ich wieder für eine lange Zeit nicht mehr sehen kann? Plötzlich fangen die Turbinen der Maschine an zu heulen, ich fühle eine leichtes Ruckeln und ein starken Druck, der mich in den Sessel presst. Schlagartig fällt es mir wieder ein: Meine Flugangst. Da ist sie wieder.

Im Steilflug nach oben erreichen wir zügig knapp 4000 km. Noch während des Abflugs ergattere ich ein letzten Blick auf die Heimatstadt meiner Eltern, welche für mich inzwischen eine zweite Heimat geworden ist. Dann langsam entspannen sich meine Gliedmaßen, ich lehne mich in meinem Sessel zurück und schlafe ein.

Circa drei Wochen zuvor herrschte Freitagmorgens wieder buntes, lautes Treiben im Hause Erkün. Es sollte mit dem Auto in die Türkei gehen. Mit an Bord: Meine Wenigkeit, meine beiden Brüder, mein Papa und zahlreiche Koffer, Rucksäcke, Handtaschen und dazu Getränke, Knabbereien und Fressalien ohne Ende. Klar, wir haben eine lange Fahrt vor uns. Endziel sollte die syrische Grenze der Türkei in Hatay sein. Nun ja, und da wir vier nun mal zu Menschen mit äußerst gutem Appetit zählen, wurde jeder Quadratzentimeter des Wagens ausgenutzt. Gegen frühen Nachmittag war es dann endlich so weit. Mit der Hoffnung, alles Nötige eingepackt zu haben, saßen wir im Auto auf der Fahrt in den Süden. Es ging quer durch Deutschland. Die erste Nacht verbrachten wir in Ulm bei Bekannten. Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Dachau, und besichtigten dort das Konzentrationslager und waren am Abend in München.

blogbenet-urlaub2Einer der Vorteile, mit dem Auto zu verreisen, ist: Man ist ungebunden und kann seine Route jederzeit spontan ändern (Da meine Familien und ich nur wenig mit Planungen anfangen können, also absolut ideale Reisemöglichkeit). So schliefen meine Brüder und ich die Nacht im Auto, während mein Dad Kurs auf Italien nahm. Alle Welt schwärmt immer so von Venedig. Also wollte ich das auch ein Mal gesehen haben. Sonntagmorgen, kurz vor Sonnenaufgang erreichten wir nun die Stadt. Ich hatte mir nicht zu viel vorgenommen. Es war tatsächlich so hübsch und romantisch wie ich es mir vorgestellt hatte.

blogbenet-urlaubAb Italien ging es direkt durch Slowenien, Kroatien, Serbien und Bulgarien durch in die Türkei. Wir reisten Montagvormittag in den europäischen Teil der Türkei an und fuhren direkt einige Kilometer der Westküste entlang und mieteten uns ein kleines Apartment am ägäischen Meer. Schneeweißer Sandstrand, grünblaues Meer und wolkenlos blauer Himmel mit strahlendem Sonnenschein. Ein Urlaubsort, wie für uns geschaffen. Kaum hatten wir morgens die Augen auf, lagen wir schon im Sand, mit den Füßen im Wasser und haben ganz entspannt die Seele baumeln lassen.

Nun ja, wir wären ja nicht wir selbst, wenn uns nach wenigen Tagen nicht wieder die Reiselust packen würde. So hatten wir dann am Donnerstagabend auch von Strand und Sonne genug und packten unsere sieben(hundert) Sachen und Freitagmorgen ging es nach dem Frühstück ab nach Istanbul. Ich persönlich finde ja, Istanbul ist die weltschönste Stadt! Ich könnte Istanbul jedes Jahr besuchen und dennoch niemals genug bekommen. So ging es mir auch dieses Jahr. Freitagabend fuhren wir am großen Platz Sultan Ahmet vorbei und es war wie immer überwältigend. Das Zusammenspiel von Großstadthektik und tiefenentspannter Ausstrahlung der mächtigen Moscheen und dazu die frische Meeresluft…einfach traumhaft.

Beeindruckend in Istanbul ist natürlich nicht nur die unverwechselbare Landschaft und seine kulturelle Ungebundenheit, (denn in Istanbul trifft man tatsächlich Menschen aus überall aus der Welt), sondern die unbegrenzten Möglichkeiten des Shoppens. Tatsächlich wird das Wort „ Einkaufen” in Istanbul ganz neu definiert. Selbst mir wurde schon ganz schwindelig bei der grenzenlosen Auswahl. Ich will ja nicht bescheiden behaupten, ich hätte mich zurück gehalten… Ganz im Gegenteil. Mein lange Erspartes hatte ich ziemlich schmerzlos innerhalb weniger Tage eingetauscht in Handtaschen, Schuhe, Oberteile, Schmuck und unzählige Dinge, die ich nun mal unbedingt haben wollte. Klar, dafür spart man ja schließlich auch einen ganzen Winter, für drei Tage Grand Bazaar in Istanbul!

Genug vom Shoppen und fast pleite standen uns nun noch 1200 km bevor. Endziel war nun mal die Heimatstadt meiner Eltern in Antakya. Meine Oma wartete schon sehr ungeduldig auf uns. Zugegeben hatten wir auch schon fast genug vom herumreisen und wollten nun endlich ankommen. So setzten wir uns am Dienstagnachmittag in Bewegung und fuhren einmal quer durch Anatolien und waren zur Frühstückszeit bei Oma und Opa angekommen. Da mein Urlaub kürzer war, als die meiner Mitreisenden, musste ich schon nach wenigen Tagen mit dem Flieger zurück reisen, um pünktlich zu Schulbeginn wieder zu hause zu sein. So nutzte ich jede Minute und besuchte so viele Verwandte und Freunde wie möglich. Gesättigt mit viel Kebab, Wassermelone und literweise türkischem Tee (den bekommt man einfach immer und überall, auch wenn man nur eine Packung Kaugummi beim Kiosk nebenan kaufen will), musste ich mich am Montagabend von meiner mittelgroßen Familie verabschieden und mich auf den Weg zum Flughafen machen. Dienstag morgen saß ich im Flieger.

Als die Maschine abhieb schlief ich ein, hatte einen sonnigen Traum. Und als die Maschine landete, war ich zuhause: In Bremen.

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